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50er Jahre Anzeige, Hausfrau beim Abwasch mit Prilpaket, mit Slogan: wenig Stil hilft viel
Inserat für "Pril", aus "Frau und Mutter", 47. Jahrgang, zweites Juniheft 1958, Seite 32, bearbeitet. (Originaltext: "Pril so sparsam - wenig Pril hilft viel", "Pril ohne Soda schont die Hände")

Accessibility Know-how

Für die BerufskollegInnen, die sich einen schnellen Überblick verschaffen wollen...

Die Inhalte sind nicht neu, aber weitgehend aktuell.

Barrierefreies Internet in Österreich

Erläuterungen E-Gov Gesetz

10. Oktober 2007

Das E-Governmentgesetz ist seit März 2004 in Kraft. Bis 1.1. 2008 mussten die Vorgaben bezüglich barrierefreiem Internet erfüllt sein.

Betroffen sind:

  • Behörden (Bund, Länder, Gemeinden)
  • Zusteller
  • Verwaltung des Bundes

E-Government in Österreich

E-Government meint die Gesamtheit aller elektronischen Angebote der öffentlichen Verwaltung für BürgerInnen.

digitales.oesterreich.gv.at ist die neue Informationsseite des Bundeskanzleramts zum E-Government.
Eine Übersicht über das aktuelle E-Government-Angebot, erstellt von Statistik Austria, Sept 2007, findet sich dort unter
Österreich Online – Bericht zur E-Government Landkarte 2007 (PDF, 4317 kB).

Level der Barrierefreiheit

Mangels einer expliziten, länderspezifischen Norm, wie sie etwa in Deutschland mit der BITV existiert, hat man sich vorläufig auf Erfüllung des Mindeststandards, also (indirekt) von Level A der WCAG verpflichtet, mit dem Ziel Doppel A zu erreichen. Zur Erreichung des E-Government Gütesiegels (existiert seit 2003) ist also wohl auch WAI A und der Styleguide E-Formulare (der über Level A hinausgeht) erforderlich.

Zitat auf digitales.oesterreich.gv.at: „Österreich hat sich auf EU-Ebene verpflichtet, die WAI-Leitlinien umzusetzen. Die Umsetzung der WAI-Leitlinien ist daher fester Bestandteil der E-Government Strategien. Dies bedeutet, dass entsprechende Mindeststandards erfüllt werden müssen.“

BehindertenvertreterInnen plädieren auf Erreichung von WCAG 2.0 Stufe AA.

In Deutschland (einfach-fuer-alle.de/artikel/bitv/begruendung/ ) und der Schweiz (access-for-all.ch/download/P028.pdf) muss jeweils Konformitätsstufe AA erfüllt werden.

Das österreichische BGStG impliziert ebenfalls Doppel A. Die Formulierungen zu barrierefreiem Informationszugang sind ähnlich wie im deutschen Behindertengleichstellungsgesetz.

Martin Ladstätter vom Verein accessible media argumentiert u.a. auch mit der Erläuterung von Checkpunkt der Priorität 2 in den WCAG 1.0 für die Verpflichtung auf Konformitätsstufe AA: „[Priorität 2]: Ein Entwickler von Web-Inhalten sollte diesen Checkpunkt erfüllen. Andernfalls wird es für eine oder mehrere Gruppen schwierig sein, auf die Information im Dokument zuzugreifen. Die Erfüllung dieses Checkpunkts beseitigt signifikante Hindernisse für den Zugriff auf Web-Dokumente.“

Styleguide für E-Formulare

Für E-Government-Formulare gibt es einen Styleguide, der Barrierefreiheit miteinschließt.
Der Styleguide für E-Formulare (stg 2.0.0 – Version vom 6.9.2006) gibt zusammen mit der Beschreibung von Standarddaten in E-Formularen die Grundlage für ein einheitliches Layout von elektronischen Formularen der öffentlichen Verwaltung in Österreich. Er hat Empfehlungsstatus.
Eine grafische Optimierung der Formulare wäre meines Erachtens wünschenswert.

Interne Evaluierung

Öffentliche Internetangebote des Bundes wurden 2007 intern evaluiert: Erhebung Barrierefreiheit 2007. Die Erhebung kommt zu sehr positiven Ergebnissen:
Bei 12 Ministerien (mit 68 überprüften Domänen) 94% durchschnittlicher Erfüllungsgrad WAI A.
Für 57 der 68 evaluierten Domains beantworteten die Ressorts auch die Prüfpunkte zu WAI AA, der Erfüllungsgrad schwankt für die einzelnen Prüfpunkte zwischen 75 und 100 Prozent.

Persönlicher Kommentar

Die lange Umsetzungsfrist von 2004 bis Ende 2007 hat generell zu einer Abwartehaltung motiviert. Es wurde sicher innerhalb dieser Frist auch mit einer Aktualisierung der WCAG gerechnet, von der man sich vielleicht Erleichterungen in der Umsetzung versprach. Die Auszeichnung von Sprachwechsel ist in der Entwurfsfassung der WCAG 2.0. beispielsweise kein Level A Kriterium mehr, moderne Screen-Reader interpretieren Javascript usw.

Bei MitarbeiterInnen von Behörden ist teils großes Interesse am Thema zu spüren (so haben auch einige den Lehrgang für Barrierefreies Webdesign an der Uni Linz absolviert) und wirkliches Engagement in der Umsetzung, zum Teil aber auch Ablehnung von überzogen und veraltet scheinenden Vorgaben und Verunsicherung, was nun tatsächlich umgesetzt werden muss und wen es nun tatsächlich betrifft.

Die positiven Ergebnisse der „Erhebung Barrierefreiheit 2007“ sind sowohl ein Indiz dieses Engagements auf der einen Seite als auch ein Indiz einer gewissen – vermutlich frustrierten – Wurschtigkeit auf der anderen. Eine neutrale Evaluierungsstelle wie BIK in Deutschland oder Zugang für alle in der Schweiz fehlt. Die Tests der Woche von BIK oder die Schweizer Accessibility-Studie 2007 geben ein objektiveres Bild.

Die Umsetzung der WAI Richtlinien ist auf Bundesebene am weitesten fortgeschritten und lässt auf Gemeindeebene noch sehr zu wünschen übrig. Hier scheint man es wohl auch auf eher unwahrscheinliche Schlichtungsverfahren ab 2008 ankommen zu lassen.
Ein großer Anbieter von Gemeindeplattformen out of the box – Ris Kommunal – bietet für neue Webauftritte mittlerweile aber auch ein WAI konformes CMS an, im Gegensatz zur alten Frames- und Tabellenlösung, auf der noch viele alte Seiten aufbauen. Webseiten haben ein Ablaufdatum, bei den nötigen Relaunches in den nächsten Monaten und Jahren wird Barrierefreiheit in jedem Pflichtenheft stehen müssen. Die Formulierungen im BGStG legen eine Festlegung auf Erreichung von Stufe AA der WCAG nahe.

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